Eine neue Chance für die Tamariske

Lange Zeit war sie gänzlich von den steirischen Gewässern verschwunden – die Ufer-Tamariske, ein Pionier-Strauch der an Schotterbänken der Alpenflüsse vorkommt. Durch die starke Verbauung und Regulierung der heimischen Fließgewässer gibt es kaum noch Schotterbänke und somit kaum Lebensraum für die Tamariske. Im Nationalpark Gesäuse soll die Pflanze nun wieder heimisch werden. In einem ambitionierten Projekt in Kooperation mit der Forschungsanstalt HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurden Anfang September zahlreiche Jungpflanzen an Enns und Johnsbach ausgebracht.

Tamarisken sind eher unscheinbare Sträucher, die ähnlich wie Weiden an Ufern von Fließgewässern wachsen. Die konkurrenzschwache Art braucht die Hochwässer an den Schotterbänken, welche immer wieder offene Bereiche schaffen, an denen die Art ungestört von Weiden und anderen Gehölzen wachsen kann.

Entlang der Enns, dem größten Binnenfluss Österreichs, war die Tamariske einst weit verbreitet, ebenso im heutigen Nationalpark Gesäuse. Durch die Ennsregulierung im 19. Jahrhundert wurde der Flusslebensraum stark verändert. Durch den Verlust von Schotterbänken verschwanden zahlreiche daran gebunden Arten, darunter auch die Ufer-Tamariske. Im Nationalpark Gesäuse befindet sich nun die letzte freifließende und beinahe unregulierte Strecke der Enns. Hier gibt es durch die natürliche Flussdynamik noch ausreichend Schotterbänke, sodass zum Beispiel auch der seltene Flussuferläufer hier erfolgreich brüten kann. Da aus historischen Aufzeichnungen bekannt ist, dass die Ufer-Tamariske einst im Gesäuse heimisch war, versucht man im Nationalpark nun die Pflanze wieder anzusiedeln. Erste Ausbringungsversuche mit Pflanzenmaterial von Lech und Isel führten leider zu keinem Erfolg. In der Schluchtstrecke durch das Gesäuse entwickelt die Enns bei Hochwässern enorme Energie, welche selbst starke Pflanzen an normal wenig überschwemmten Bereichen mitreißt. Grundsätzlich ist es schwierig hier Standorte zu finden, an denen einerseits die Wucht der Hochwässer nicht zu hoch ist, wo aber andererseits genügend Dynamik herrscht damit diese nicht zuwachsen. Erschwerte Bedingungen und Rückschläge sind im Nationalpark Gesäuse aber kein Grund das Handtuch zu werfen, sondern viel mehr Anreiz neue Strategien zu entwickeln.

Für einen neuerlichen Versuch holte man sich im Nationalpark Gesäuse fachkundige Unterstützung ins Boot. Mit Hilfe des Institutes für Pflanzenbau und Kulturlandschaft an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein unter der Leitung von Dr. Bernhard Krautzer wurden am Gelände der Forschungsanstalt einige hundert Jungpflanzen aus Samen herangezogen. Dr. Krautzer beschäftigt sich selbst schon seit längerem mit Tamarisken und konnte somit wertvolle Erfahrungen im Umgang mit den Pflanzen einfließen lassen.

Die Jungpflanzen wurden Anfang September von einem engagierten Team bestehend aus Mitarbeitern des Nationalparks Gesäuse, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, wie auch zwei Praktikant/innen des Nationalparks Donau-Auen entlang von Enns und Johnsbach im Nationalpark Gesäuse ausgebracht. „Wir haben etwa 300 Pflanzen an unterschiedlichen Standorten gepflanzt und die jeweiligen Standorte genau dokumentiert. Nun hoffen wir, dass die Pflanzen gut über den Winter kommen. Wir rechnen mit einer hohen Ausfallrate durch Hochwässer in den nächsten Jahren, aber wenn es einige Individuen schaffen sich dauerhaft zu etablieren und Blüten und Samen zu bilden, so haben wir unser Ziel erreicht – nämlich die Tamariske im Gesäuse wieder heimisch zu machen“, so Tamara Höbinger, Ökologin im Nationalpark Gesäuse.

Die Ufer-Tamariske ist eine stark bedrohte Art, die unter strengem Schutz steht. In Österreich kommt sie an großen Alpenflüssen wie dem Lech und der Isel noch vor. Das wohl größte und vitalste Vorkommen in Europa liegt am Tagliamento in Oberitalien, einem der bedeutendsten der letzten Wildflüsse der Alpen, der eindrucksvoll von mächtigen Schotterbänken umrahmt durch das Friaul fließt. Die größte Bedrohung für die Ufer-Tamariske liegt in der Lebensraumzerstörung. Der Erhalt der natürlichen Flusslandschaften ist für diese wie auch zahlreiche andere Arten mit ähnlichen Habitat-Ansprüchen von größter Bedeutung. Sollte es gelingen die Ufer-Tamariske im Nationalpark Gesäuse wieder dauerhaft zu etablieren, so können wir uns über einen neu zurückgewonnen Lebensraum für diese Art im Alpenraum freuen.

Rückfragehinweis:

Mag. Tamara Höbinger, Nationalpark Gesäuse, Fachbereich Naturschutz & Naturraum
+43 664 8252310, tamara.hoebinger@nationalpark.co.at
Mag. Daniel Kreiner MSc., Nationalpark Gesäuse, Fachbereich Naturschutz & Naturraum
+43 664 8252303, daniel.kreiner@nationalpark.co.at

 

 


Tamariske im Gesäuse © Nationalpark Gesäuse GmbH, Höbinger
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Helfende Hände bei der Ausbringung © Nationalpark Gesäuse GmbH, Höbinger
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Gruppenfoto © Nationalpark Gesäuse GmbH, Kreiner
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