Zur Geologie und Geomorphologie des Gesäuses

Geologie im NationalparkDie Gesteine Kalk und Dolomit aus dem Urmeer prägen das Gesäuse. Die Gletscher der Eiszeit formten danach die Landschaft und gaben dem Nationalpark seine heutige Form. Die geologische Geschichte lässt sich auch heute noch bei Wanderungen und Klettertouren nachvollziehen.

Das Gesäuse - Ein Teil der Nördlichen Kalkalpen

Mit einer Breite zwischen 30 und 50 km erstrecken sich die Nördlichen Kalkalpen vom Alpenrhein im Westen bis zum Wiener Becken im Osten. Vor 250 Millionen Jahren entstanden die Gesteine der Kalkalpen im seichten Ur-Meer, genannt Tethys. Vor 190 Millionen Jahren im Juras-Zeitalter begann der Kontinent Pangea in die heutigen Kontinente zu zerfallen und es bildeten sich breite Ozeane. Etwa vor 90 Millionen Jahren begann sich Afrika in seine heutige Lage zu schieben. Dadurch wurde der Mittelmeerraum eingeengt und die bis dahin im Ozean gelegenen Schichten erhoben sich in Europa. Durch die enormen Kräfte schoben sich Teile der Kalkalpen kilometerweit übereinander, während an anderen Stellen die ursprüngliche Unterlage, die Grauwacken- oder Schieferzone, durchbrach.

Die heutige geologische Situation ist in der Karte von Otto Ampferer (1935) gut abgebildet.

Kalk und Dolomit

Kalk und Dolomit sind die am weitesten verbreiteten Gesteine der Kalkalpen. Während Dolomit leicht zerfällt, ist Kalk ein festes Gestein. Er bildet die über 2.000 m aufragenden Gipfel der Ennstaler Alpen, die daher ein Teil der Kalkhochalpen sind. Die nördlich gelegenen Berge bestehen größtenteils aus Dolomit. Sie haben kaum Felswände und werden deswegen zu den Kalkvoralpen gerechnet. Noch auffallender ist der Gegensatz am Südrand der Ennstaler Alpen. Hier schließen sanften Berge der Grauwackenzone an, die zu einem großen Teil aus leicht zerfallenden Schiefergesteinen besteht. Ursprünglich waren es Ton, Kalk und Gesteine aus Vulkanausbrüchen, die während des Erdaltertums in dem Zeitraum zwischen 450 und 375 Millionen Jahren entstanden sind. Die Grauwacke ist reich an Erzlagerstätten, wie der Steirische Erzberg eindrucksvoll zeigt.

Kalkstein wird aus den Überresten von Meeresorganismen gebildet. Das ist an den Kuhtritt-Muscheln („Megalodonten“) zu erkennen, deren dicke Schalen heute noch sichtbar zu Tage treten. Die ehemaligen Kalkbänke finden sich im Gesäuse in der Buchstein- und Hochtorgruppe. Der Admonter Reichenstein dagegen entstand aus einem ehemaligen Riff und zeigt an glatten Oberflächen noch heute die Reste von Algen, Meeresschwämmen und Korallen.
Dolomit, wie er das Johnsbachtal prägt, entstand ebenfalls aus den Kalkgerüsten von Algen. Er ist jedoch viel brüchiger als der verfestigte Kalkschlamm. Darunter mischt sich eine Schicht aus der Zeit, als der Meeresspiegel einmal sank und die Ablagerungen von Schlamm und Sand der Flüsse gegenüber dem organischen Kalk die Oberhand gewann. Heute zieht sich dieses Band der „Raibler Schichten“ durch die gesamten Gesäuseberge. Sie trennt den Wettersteindolomit vom Hauptdolomit.

Der letzte Schliff

Vor 850.000 Jahren setzte die Eiszeit in den Ostalpen ein. Aus dem Gesäuse kennen wir nur Spuren der letzten Kälteperiode, die vor 120.000 Jahren einsetzte und bis zum Ende der Eiszeit vor 12.000 Jahren dauerte. Von einem riesigen Gletschergebiet, das fast ganz Westösterreich bedeckte, erstreckte sich ein Gletscher durch das Ennstal bis zum Gesäuse-Eingang bei Weng. Hier staute sich das Eis und wich über den Buchauer Sattel aus. Im Gesäuse selbst bildeten sich ebenfalls Gletscher. Sie nahmen von den Karen (Roßschweif, Sulzkar, Tellersack, Hinterwinkel) ihren Ausgang. Mit der Klimaerwärmung am Ende der Eiszeit vor 12.000 Jahren schmolzen sämtliche Gletscher in den Alpen, unter ihnen der Ennsgletscher und die Gletscher im Gesäuse. Das Gewicht und das langsame Fließen des Eises hatten das Ennstal so stark abgeschliffen, dass es oberhalb des Gesäuses um 200 m tiefer als heute war. Es füllte sich mit Wasser und in diesem großen See lagerten sich Ton, Schotter und Sand ab, so dass er bald verlandete. Auf der Oberfläche entstanden die Hochmoore des Ennstals wie das Wörschacher Moor, das Pürgschachener Moor und das Frauenberger Moor.

Heute

Die Vorgänge, die zur Entstehung des Gesäuses geführt haben, gehen noch heute weiter: Die langsame Hebung genauso wie das Einschneiden der Enns. Frost und Eis sprengen den Fels. Schutthalden geben Zeugnis, wie sehr die Gesteine den unsichtbaren Kräften der Natur ausgesetzt sind. Im Kalkgestein versickert Wasser schnell und bildet dabei große Höhlensysteme im Berginneren. Dies führt einerseits zu großer Trockenheit im Bergland, bildet aber an anderen Stellen Wasseraustritte, die ein Quell des Lebens für Tiere und Pflanzen des Gesäuses sind.

Mehr dazu können Sie in unserer Geologie-Ausstellung in Gstatterboden erfahren.